Die Sänger gehen voran, am Ende die Spielleute, in der Mitte die Jungfrauen, die da Pauken schlagen.

(Psalm 68, Vers 26)

 

Der Psalm 68 ist ein Liedtext aus der Feder König Davids. In diesem Psalm wird anschaulich beschrieben, auf welche Weise damals im kultischen Bereich musiziert wurde. Archäologische Funde dokumentieren, dass im israelitischen Kultus seit 1000 v. Chr. Musik eine wichtige Rolle spielte. Auch König David, der als Förderer der Musik im Kultus gilt, lebte um 1000 v. Chr. Auch der Tanz hatte seinen festen Platz und war vorwiegend den Frauen vorbehalten.

 

Über die Vielzahl der Instrumente wissen wir gut Bescheid. Dazu zählten sowohl Schlaginstrumente, als auch Saiteninstrumente  und Blasinstrumente. Über bildliche Darstellungen, archäologische Funde und Beschreibungen der Bibel ist die Vielfalt der verwendeten Instrumente gut dokumentiert.

 

Nicht überliefert sind uns die Melodien, die Harmonik und Rhythmik der Musik dieser Zeit.

 

Zuständig für die Musik im Tempel waren die zum Tempeldienst berufenen Leviten

 

Es ist anzunehmen, dass im frühen Christentum die Traditionen der jüdischen Tempelmusik fortgeführt wurden. Paulus ermahnt die Gläubigen Psalmen und geistliche Lieder regelmäßig zu singen und erwähnt damit neben den seit Jahrhunderten überlieferten Psalmen offenbar auch geistliche Neudichtungen. Die kultischen Handlungen und Gottesdienste waren im frühen Christentum naturgemäß heterogen. Über die im 3. Jahrhundert aufkommenden Mönchsgemeinschaften bildeten sich nach und nach verbindliche Abläufe in Gottesdiensten heraus.

 

Im 6. Jahrhundert sammelte Papst Gregor der Große die gebräuchlichen liturgischen Gesänge und legte die zu gebrauchende Musik für seinen Einflussbereich fest, die heute als Gregorianischer Choral bekannt ist. Dies führte zu einer Vereinheitlichung der im Kultus gebräuchlichen Musik. Andere Traditionen, wie etwa die Musik der Kelten und die Musiktraditionen germanischer Völker, wurden dadurch verdrängt.

 

Innerhalb der Westkirche gab es einen immer wieder aufflammenden Streit über die zulässige Musik in der Kirche. Nachdem sich im 14. Jahrhundert die einstimmige Musik zur Mehrstimmigkeit entwickelt hatte, wurde der Versuch unternommen diese Art aus den Gottesdiensten wieder zu verbannen und einzig den Gregorianischen Choral zuzulassen. Auf dem Konzil von Vienne gelang es diesbezüglich Papst Johannes XXII, dass die anwesenden Bischöfe einem Kompromiss zuzustimmten.  Ebenfalls im 14. Jahrhundert nahm die Orgel Einzug in die Kirchen und erlangte nach und nach eine selbständige Rolle. Auch im Konzil von Trient gab es Streitigkeiten zwischen Traditionalisten und Erneuerern.

 

Die Musik dieser Zeit war Sache der Kleriker und der Schüler der den Kirchen und Klöstern angegliederten Schulen. Daher kommt auch der Name "Schola", also der Chor der Schüler. Dies änderte sich mit der Reformation grundlegend. Der Stand der Priester wurde in seiner Rolle komplett neu gesehen. Die Gemeinde übernahm in den Gottesdiensten Aufgaben, die bislang den Priestern und Scholaren vorbehalten waren, darunter auch den Gesang. 

 

Der Sänger und Komponist Johann Walter, welcher gemeinsam mit Martin Luther die katholische Messe überarbeitet hatte, gilt als Urkantor der evangelischen Kirche. In Torgau gründete er gemeinsam mit Schülern und interessierten Bürgern der Stadt eine Kantorei, mit der er geistliche Werke aufführte. Diese Reform hat sich bis heute als Tradition erhalten: Musik ist nicht die Sache des Klerus, sondern des ganzen Kirchenvolkes.

 

Damit wurde die Grundlage für eine reichhaltige Kirchenmusik geschaffen. Aus dieser Fülle heraus konnten sich Musiker wie Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel oder Heinrich Schütz entwickeln.

 

Der Stand der Kirchenmusiker war nun kein geistlicher mehr. Musiker konnte man entweder ein über einen Ausbildungsberuf erlernen, wie z.B. bei den Stadtpfeifern oder die Fähigkeiten wurden innerhalb einer Musikerfamilie von Generation zu Generation weitergegeben. Johann Sebastian Bach lernte sein Handwerk von seinem Onkel. Üblich war es auch längere Reisen zu bekannten Musikern zu unternehmen, um von ihrem Können zu profitieren. Es war üblich zwischen den Anstellungen in der Kirche, in der Stadt oder bei Hofe zu wechseln.

 

Während der Zeit der Aufklärung verlor die Musik in der Kirche an Bedeutung. Gottesdienstformen wurden nüchterner, der Musik wurde kein so hoher Stellenwert mehr zugemessen. Es wurde weniger komponiert, Aufführungen in Kirchen nahmen ab. Anstelle ausgebildeter Musiker übernahmen flächendeckend die ortsansässigen Schullehrer nun das Amt des Organisten und Chorleiters zusätzlich. Mit der Auflösung der Monarchie in Deutschland 1918 und der Trennung von Kirche und Staat wurde die Ausbildung zum Chorleiter und Organisten für Lehrer während ihres Studiums nicht mehr verbindlich und die Kirchen verloren somit ein Standbein für die Versorgung mit gottesdienstlicher Musik . So gründeten die beiden Kirchen die ersten Kirchenmusikschulen, an denen man sich diese Qualifikation als Zusatzausbildung

holen konnte.

 

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde es den im Staatsdienst stehenden Lehrern schwer gemacht zusätzlich noch den Dienst in der Kirche zu übernehmen. Viele Lehrer quittierten den Dienst bei der Kirche. Somit brach für die Kirchen die musikalische Grundversorgung fast vollständig zusammen. Aus der Not heraus installierte die evangelische Kirche im Deutschen Reich eine neue Berufsausbildung. In Zukunft sollte der hauptberufliche Kirchenmusiker ausschließlich für Musik in der Kirche zuständig sein. Dies war ein Novum in der neueren Geschichte, denn selbst Johann Sebastian Bach war neben seiner Tätigkeit als Kantor Lehrer an der Lateinschule in Leipzig. An den neugegründeten Kirchenmusikschulen, Konservatorien und Hochschulen wurden erstmals akademisch ausgebildete Kirchenmusiker auf den Beruf vorbereitet. Dies gab einen neuen Aufschwung im Bereich Kirchenmusik, der bis heute anhält. Der hauptberufliche Kirchenmusiker war ein Beruf, der deshalb zunächst eine Besonderheit in Deutschland war. Später übernahmen Schweden, Dänemark und Norwegen als Staatskirchen das Modell.  Auch in den USA gibt es eine Reihe an kirchenmusikalischen Ausbildungsstätten mit hoher Qualität und laufend zahlreiche Stellenausschreibungen für hauptberufliche Kirchenmusiker in römisch-katholischen, lutherischen, anglikanischen und reformierten Gemeinden.

Flächendeckende Versorgung mit Kirchenmusikstellen findet man in dieser Stärke in anderen Ländern außer in den genannten nicht. Nicht zuletzt deshalb wurde daher das Singen in deutschen Amateurchören von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt.

 

Die hauptberufliche Kirchenmusik bildet heute ein wichtiges Rückgrat kirchlicher Arbeit.